Microsoft ist mit jeder Windows-Version neugieriger geworden. In der neuesten Version bleibt kein Tastendruck und kein Mausklick unbeobachtet. W10Privacy schaltet zahlreiche Spionageeinstellungen in Windows10 ein für allemal ab.

Wer seinen Windows-Computer benutzen will, ohne bei jeder Mausbewegung und jedem Tastendruck beobachtet zu werden, sollte sich nach einem Programm umsehen, der Microsoft das Spionieren abgewöhnt. Das klingt jetzt vielleicht im ersten Moment übertrieben. Ist es aber gar nicht.

Microsoft hatte, nachdem es gemerkt hat, dass Google und Facebook ihnen im Internet die Kunden abgraben, ein paar zaghafte Versuche gemacht, diese mit gleichen oder ähnlichen Angeboten zurück zu holen. Bing, Windows Mobile, live.com und anderes waren das Ergebnis dieser Bemühungen. Gebracht hatte es wenig – die Umsätze brachen weiterhin ein. Dann besann sich Microsoft auf seine Kerngeschäftsfelder Windows und Office und verheiratete diese im Privatkundenbereich mit den neuen Trends der Konkurrenten: Dienstleistung verschenken und mit den Kundendaten Geschäfte machen. Deshalb gibt es Windows10 scheinbar gratis. Scheinbar, weil wir mit unseren Kundendaten bezahlen.

Da man erst einmal gar nicht merkt, was da vor sich geht, denken sich die meisten Menschen nichts dabei und füttern den Software-Riesen mit ihren Wünschen und privaten Informationen.

W10Privacy hilft bei den Datenschutzeinstellungen

W10Privacy listet eine Vielzahl an Datenschutzeinstellungen in Windows 10, aber auch Windows 8 und windows 7 auf ((c) Bernd Schuster, winprivacy.de, by-nc-nd4)

Wer Windows aber benutzen will (oder muss, weil die besseren Alternativen zum Beispiel nicht am Arbeitsplatz erlaubt sind), sollte ihm wenigstens so viele wie möglich seine Geschwätzigkeit abgewöhnen. Dazu gibt es ein paar kleine Hilfsmittel. Eines davon heißt W10Privacy.

Bernd Schuster, Entwickler der App, erklärt auf seiner Webseite, was ihn dazu getrieben hat, die App zu programmieren:

“Auf die Idee zur Entwicklung dieses kleinen Programmes kam ich durch die standardmäßig doch äußerst bedenklich gesetzten Datenschutz- sowie Privatsphäreneinstellungen in Windows 10 – vorsichtig formuliert!

Microsoft überlässt es dabei großzügiger Weise jedem, den Großteil der Einstellungen anzupassen, verbirgt diese aber in unzähligen Menüs, die die wenigsten “Standardanwender” absuchen möchten. Das Programm soll daher eine Hilfe sein, die verfügbaren Einstellungen relativ übersichtlich darzustellen und die gewünschten Optionen bei Bedarf zu setzen.

Der primäre Focus steht dabei auf Einstellungen für Windows 10 sowie dessen Apps (z. B. dem neuen Browser “Edge”), es werden aber für Windows 8.1 verfügbare Features integriert. W10Privacy ist sicherlich kein programmier-technisches Meisterwerk, erfüllt aber den von mir angedachten Zweck. ”

Technisch hui, optisch pfui

Zuerst einmal vielen Dank von mir an den Entwickler für die Mühe. Das Tool ist optisch wirklich nicht der Knaller, dafür fast es ganz viele Einstellungen auf wenigen Seiten zusammen. Und es kann von jedem Laien bedient werden. Das ist der größte Vorteil neben der Eigenschaft, dass es nicht installiert werden muss.

W10Privacy unterscheidet zwischen Benutzer- und Adminstrator Kontext ((c) Bernd Schuster, winprivacy.de, by-nc-nd4)

Man kann also mal nebenbei die Datenschutzeinstellungen auf dem eigenen oder dem Rechner der Oma oder dem Arbeitsplatz einstellen, ohne den fetten “Administrator”-Account anwerfen zu müssen. Dann aber, das muss natürlich an dieser Stelle auch gesagt sein, bleiben ein paar Einstellungen unerreichbar. Optionen, welche mit einem vorangestellten Ausrufezeichen versehen sind, benötigen administrative Berechtigungen, andernfalls können diese nicht verändert werden. Doch auch jene Einstellungen, die in Benutzermodus erreichbar sind, reichen schon aus, um das Betriebssystem etwas pflegeleichter zu machen.

Der CommandLine-Modus

W10Privacy stoppt den Zugriff auf verschiedene Telemetrieserver von Microsoft ((c) Bernd Schuster, winprivacy.de, by-nc-nd4)

Wie Bernd Schuster auf der Anleitungsseite im Internet erklärt, kann W10Privacy auch gut über die Befehlszeile gestartet werden. Das ist immer fein, wenn man das nur mal zwischendurch zur Kontrolle am eigenen Rechner durchführen, aber auch, wenn man fremde Rechner (von der Oma natürlich;-) automatisch bereinigen will.

“Die im Programm verfügbaren Einstellungen können auch über einen “unbeaufsichtigten CommandLine-Modus“ geprüft und gesetzt werden. Der Gedanke dahinter ist, dass es gelegentlich vorgekommen sein soll, dass Microsoft im Zuge von Updates die eine oder andere Option wieder auf deren Urzustand zurücksetzt hat.

Um das Programm nun nicht täglich manuell starten zu müssen, können einmal gesetzte Optionen abgespeichert und das Programm – z. B. über die Aufgabenplanung oder einen Eintrag im Autostart – im unbeaufsichtigten Modus gestartet werden. Das Programm prüft dann die aktiven Einstellungen, vergleicht diese mit denen der abgespeicherten Konfiguration und passt die abweichenden Einstellungen an.

Vor dem Abspeichern der Konfiguration müssen die gewünschten Optionen im Hauptfenster ausgewählt werden. Um die Konfiguration zu sichern, ist dann „Konfiguration“ – „Speichern“ auszuwählen.

W10Privacy kann dann in einer DOS-Box über den Parameter „/s“ sowie einen Folgeparameter im unbeaufsichtigten Modus gestartet werden.”

Einfache Bedienung hilft auch Laien

Die Bedienung von W10Privacy im regulären Fenstermodus ist denkbar simpel. Das Programm listet in 14 Reitern eine Vielzahl von Einstellungen auf, die Daten an verschiedene Server des Herstellers übertragen. Die Reiter gliedern sich nach Funktionen wie Netzwerk, Explorer, Edge oder Firewall. Was wo auftaucht und was es bedeutet, wird leider nicht erklärt.

Die Einstellungen werden in drei Gruppe unterteilt, je nach Nebenwirkungen auf das Betriebssystem. Hier steckt auch ein kleines Manko des Programms: Es läßt einen mit dieser Aussage ziemlich allein. Die meisten Nutzer werden also von den ganz scharfen Einstellungen Abstand halten und damit einige Datenschutzeinstellungen verhindern. Das könnte man vermeiden, wenn die Einstellungen besser erklärt würden. Denn die wenigen Informationen, die man via “Mouse-over” eingeblendet bekommt, reichen einem Laien oftmals nicht, um eine Einschätzung zu bekommen, was man da macht. Hier ist also noch Nachbesserungsbedarf. Davon abgesehen ist es aber ein prima Helferlein.

 

  • Pro: Treibt Windows10 die Spionage aus, viele detaillierte Einstellungen, kleine Anwendung, von jedem Laien zu bedienen, muss nicht installiert werden.
  • Contra: Etwas unübersichtlich, Änderungen werden nur rudimentär erklärt

 

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