Mit O&O ShutUp10 hat der Anwender von Windows 10 selbst die Kontrolle darüber, welche “Komfortfunktionen” von Windows 10 er nutzen möchte und welche Datenweitergabe ihm zu weit geht. In einer einfach gehaltenen Benutzeroberfläche regelt O&O ShutUp10 bequem, wie Windows 10 mit persönlichen Daten umgeht und wieviel Privatsphäre es respektieren soll.

Windows 10 ist sehr geschwätzig. Das wissen wir eigentlich schon – spätestens, seit ich den Artikel zum Tool “W10Privacy” verfasst habe. Na gut, damit wäre das Thema dann erledigt, oder? Nicht ganz. Denn es ist bekanntlich gut, sich eine zweite Meinung einzuholen. Und das machen wir mit dem kleinen, aber feinen Tool O&O ShutUp10.

Portabel für den schnellen Einsatz

O&O ShutUp10 ist ebenso wie W10Privacy eine kleine App, die nicht auf dem Computer installiert werden muss. Man nennt das “portabel”, was den Einsatz angenehm bequem gestaltet: runterladen, doppelklicken, Einstellungen vornehmen!

Nach dem Start gilt es aber ein paar Details zu beachten. Das Tool startet selbstverständlich erst einmal mit den Rechten des angemeldeten Users. Damit sind ein Großteil der Einstellungen versperrt, denn diese verlangen Administrationsrechte. Das ist natürlich auch gut so, sonst könnte es ja allerhand Unfug anstellen.

Nur mit Administratorrechten bewegt sich etwas

Will man also die Einstellungen anpassen, muss erst einmal ein Neustart “mit Administratorrechten” erfolgen. Das ist schnell geschehen, sodass wir uns jetzt den Einstellungen zuwenden können. O&O ShutUp10 empfielt vor einer Änderung erst einmal einen Wiederherstellungspunkt des Systems zu erstellen, was man auch tunlichst befolgen sollte. Denn schließlich weiß man teilweise nicht, was da im System verstellt wird und welche Folgen das haben könnte.

Im nächsten Schritt sollte man unter “Datei / Einstellungen exportieren” den aktuellen Status festhalten. Denn O&O ShutUp10 ändert jede Einstellung sofort, wenn man den betreffenden Schalter betätigt.

Änderungen werden sofort umgesetzt

Dann kann es zur Sache gehen. Für bequeme Menschen stehen unter “Aktionen” drei Voreinstellungen zur Verfügung, mit denen “empfohlene”, “eingeschränkt empfohlene” und “alle” Einstellungen umgestellt werden können.

Wer lieber selber Hand anlegen will, kann jede Einstellung selber vornehmen. Am rechten Rand ist eine Empfehlung angegeben, die zumindest eine grobe Einordnung erlaubt. Was sich im Detail hinter den einzelnen Einstellungen verbirgt, zeigen kurze Erklärungen, die sich bei einem Klick auf die jeweilige Einstellung öffnet. Diese sind sehr ergiebig und lassen staunen, wie umfangreich und tiefgreifend das Interesse von Microsoft am Nutzungsverhalten der Anwender ist.

Endlose Liste mit fast 100 Einstellungen

Annähernd hundert Einstellungen lassen sich derzeit mit O&O ShutUp10 verstellen. Niemand (außer Microsoft selbst) weiß genau, ob dies alle sind. Aber zumindest gibt es einen Einblick, an wieviel Stellen Microsoft uns bei der Nutzung des Betriebssystems über die Schulter und auf die Finger schaut.

Das beginnt mit so einfachen Dingen wie “Such- und Webseiten-Vorschläge anzeigen” (die ja auch von irgendwoher, in diesem Fall von den Servern der Suchmaschine Bing, kommen) bis hin zu Übertragung des Nutzerverhaltens (was das auch immer sein soll) oder der geografischen Position des Rechners auf Basis von Geo- und WLAN-Positionsdaten. “Einige Dienste protokollieren alle Ihre Tastatureingaben, teilen Ihre WLAN-Zugangsdaten mit Ihren Facebook-Kontakten oder verbinden Ihren Rechner ungefragt mit einem öffentlichen – und potentiell ungeschützten – Netzwerk.”

Beim Lesen beschleicht einen ziemlich schnell ein Gefühl der Paranoia und der Wunsch, einfach alles abzuschalten. Tatsächlich sind es auch nur eine handvoll Einstellungen, die man besser nicht ausschalten sollte, sodass man schnell mit der “Umstellung” fertig ist. Zufrieden mit dem Ergebnis kann man sich danach wieder seinem Tagwerk zuwenden.

Das BSI sucht noch

O&O ShutUp10 ist so freundlich und bietet einen Link auf die Webseite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie an. Diese forscht unter dem zynischen Namen “SiSyPHuS Win10: Studie zu Systemaufbau, Protokollierung, Härtung und Sicherheitsfunktionen in Windows 10” seit Jahren, welche Daten Windows 10 an den Hersteller überträgt und wie sich dieses steuern läßt.

“Mit dem Projekt SiSyPHuS Win10 (Studie zu Systemintegrität, Protokollierung, Härtung und Sicherheitsfunktionen in Windows 10) lässt das BSI Sicherheitsanalysen der sicherheitskritischen Funktionen in Windows 10 durchführen sowie darauf aufbauend passende Härtungsempfehlungen erstellen.”

Das BSI begründet seine Bemühungen damit, dass Windows in der überwiegenden Zahl der Bundesbehörden eingesetzt würde. Ob sich mit der Untersuchung eines Tages ein umfassendes Ergebnis erzielen läßt, darf bezweifelt werden. Aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht wäre an dieser Stelle der Gedanke erlaubt, ob es nicht sinnvoller wäre, sich einem offeneren Betriebssystem zuzuwenden.

 

  • Pro: Portable Version – keine Installation notwendig, kostenlos, Unterstützt alle Windows 10-Versionen
  • Contra: Schalterposition zuerst missverständich

 

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