Die EU verlangt von Facebook eine Strafzahlung über 110 Millionen Euro, weil das Unternehmen im Rahmen des Fusionskontrollverfahrens von 2014 falsche Angaben gemacht habe, läßt die EU-Kommission wissen.

Die Kommission sieht sich getäuscht, weil Facebook bei der Anmeldung der Übernahme von WhatsApp 2014 erklärte, ein automatischer Datenabgleich zwischen den Benutzerkonten beider Dienste sei nicht zuverlässig möglich. Bereits damals sei den Facebook-Mitarbeitern aber bekannt gewesen, dass es doch technisch möglich sei.

Ach was, echt jetzt? Da bin ich aber richtig überrascht. Facebook beschäftigte im März 2017 (frühere Zahlen habe ich gerade nicht gefunden) 18.770 Mitarbeiter. Man darf davon ausgehen, dass sich ein beträchtlicher Teil davon bestens mit data mining and integration auskennen dürfte. Da sollte es mich sehr wundern, dass die alle um den Konferenztisch standen und zerknirscht den Kopf schüttelten, als Marc die Frage nach der Möglichkeit zum Datenabgleich stellte.

Facebook muss Strafe zahlen – Haste ma 1 Euro

Die hohe Strafe, so teilt Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit, solle “eine abschreckende Wirkung” für falsche Angaben entwickeln. Boahh, jetzt ham die aber richtig Angst in Menlo Park.

Facebook reagiert prompt und legt in seinem aktuellen Quartalsbericht vom 3. Mai 2017 seine aktuellen Umsatzzahlen vor. Das liest sich dann so: Da steht drin, die Firma habe im ersten Quartal 2017 (!) 8 Milliarden Dollar Umsatz gemacht (wohlgemerkt in drei Monaten!) und davon 4,7 Milliarden Dollar Ausgaben abgezogen. Nach Abzug von (10%) Steuern und Ausgaben bleiben noch 3 Milliarden Dollar Nettogewinn, also 3 000 000 000 Dollar, übrig!

Da gehen 110 Millionen Euro richtig unter die Haut; vor allem, weil die nämlich in den 4,7 Milliarden Dollar Ausgaben schon drinstecken.

Für mich ist die Strafe der EU-Kommission – passend zum Lutherjahr – nichts weiter als eine Ablasszahlung. Nicht mehr und nicht weniger. Denn die Praxis von Facebook, die Kontaktdaten mit WhatsApp auszutauschen und fleissig für ihre Zwecke zu verwursten, ist ihnen damit ja nicht verboten worden, sondern, so verstehe ich das, sogar explizit und auf alle Zeiten erlaubt.

Wie lautet der alte Bibelspruch noch: “Eher kommt ein Multimilliardär ins EU-Himmelreich als ein Kameltreiber” – oder so ähnlich…

Was lernen wir also daraus: Wenn schon die EU unsere Daten nicht schützen kann (oder will), machen wir es besser selber.

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