Wire ist als Text-Messenger in Konkurrenz zu WhatsApp und Threema gedacht. Es gibt ihn für alle gängigen Plattformen, IOS, Android, MacOS, Windows und er ist im Browser lauffähig. Man kann sich mit einer Handynummer oder mit einer beliebigen E-Mail-Adresse anmelden.

Wire will ebenfalls auf dem Markt der Instant Messenger mitmischen. Da dieser Markt bereit eng besetzt ist, hat die Firma eine lange Liste an technischen und organisatorischen Eigenschaften zusammen gesammelt und in den Messenger gepackt.

Die Oberfläche von Wire ist schlicht und übersichtlich gestaltet.

Organisatorisch bedeutet, dass die Firma sich in der Schweiz angesiedelt hat, gehostet sind die Server aber in der EU. Damit unterliegen die App nicht der amerikanischen Gerichtsbarkeit und deren Zugriff. Ob das so viel hilft, weiß keiner so genau. Und gegen die erweiterten Befugnisse des BKA-Gesetzes hilft es auch nicht (aber dafür kann Wire nichts). Gleichzeitig ist der Quellcode der Anwendung unter die Lizenz GPLv3 gestellt, wird aber in den Nutzungsbedingungen wieder eingeschränkt.

Technisch kann Wire sowohl Text-, Sprach und Videonachrichten versenden, Dateien, Sprach- und Videotelefonie übertragen, sowohl an einzelne, als auch an Gruppen (Sprache und Video an bis zu 10 Teilnehmern). Das Ganze funktioniert verschlüsselt, wobei, je nach Anwendung, verschiedene Verschlüsselungen eingebaut sind.

Wire bietet einen Bot – zum Unterhaltung üben oder gegen die Einsamkeit, wird nicht erklärt.

Die Firma wirbt mit einem hohen Sicherheitsniveau der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: “Textnachrichten und Bilder verwenden Proteus für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Proteus basiert auf dem Axolotl-Ratchet und Pre-Keys, die für mobiles und Multi-Device-Messaging optimiert sind. Sprach- und Videoanrufe verwenden den WebRTC-Standard. Genauer gesagt werden DTLS für die Schlüsselaushandlung und Authentifizierung sowie SRTP für die Transportverschlüsselung der Mediendaten verwendet. Dies bedeutet, dass Anrufe Ende-zu-Ende mit Forward Secrecy verschlüsselt sind, ohne Einbußen bei der HD-Qualität. Die Verschlüsselung läuft transparent im Hintergrund und muss nicht erst aktiviert werden. Weder die Bedienbarkeit wird beeinträchtigt noch der Funktionsumfang reduziert, wie es bei anderen, sicheren Messengern der Fall ist.” Das alles könne man in Whitepaper und einem Audit Report nachlesen.

In Wire kann man im Adressbuch nach anderen Benutzern suchen.

Auch wirbt Wire damit, dass weder Profile erstellt, private Daten oder Adressen für Werbezwecke gesammelt und verkauft werden. Man kann sich außerdem “pseudonym” mit einer E-Mail-Adresse anmelden. Nutzer können jederzeit die digitale Identität anderer Nutzer mittels Fingerabdruck-Vergleich überprüfen.

Optisch ist die App sehr gefällig und gut zu bedienen. Das gilt sowohl für die Mobilgeräte (Handy und Tablet), als auch für die Windows- und Web-Version. Die habe ich alle ausprobiert. Man merkt, dass die Gründer vorher in führenden Positionen bei Skype gearbeitet haben. Die Bedienung ist einfach und strukturiert.

Zeitgleich kann man auf mehreren Geräten über einen Account kommunizieren, also mit Handy, Tablet und stationärem Webbrowser, und dann auch noch mit verschiedenen Gesprächspartnern gleichzeitig. (Soll ja Menschen geben, die das brauchen – praktisch ist es allemal.)

Wire hat seinen Sitz in der Schweiz, die Entwicklung ist hingegen in Berlin angesiedelt und sei also vollständig mit den Datenschutzgesetzen der Schweiz und der EU konform. Die App steht unter der Open Source Lizenz, schränkt diese aber in ihren Nutzungsbedingungen ein.

 

  • Pro: Anonyme Identitäten möglich, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Textnachrichten, Audioanrufe, Videoanrufe, Gruppengespräche (bis 10 Personen), Open Source
  • Contra: Einschränkungen der Open Source Lizenz, Daten müssen über Server der Firma laufen

 

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