Jitsi Meet ist ein einfaches Videokonferenzsystem für beliebig große Gruppen. Es läuft im Browser oder in einer App für mobile Systeme.

Durch die Corona-Pandemie waren in den vergangenen Monaten viele Menschen gezwungen, zu Hause zu bleiben und ihre sozialen Kontakte, vor allem aber Arbeitsprozesse über das Internet zu organisieren. Das gab Videokonferenzsystemen einen ungeahnten Aufschwung.

Skype, Cisco Meet, Zoom, Microsoft Team und andere kommerzielle Anbieter erlebten einen Boom ihrer Systeme. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass die meisten dieser Anbieter es nicht dabei belassen, die Videostreams ihrer Kunden zu organisieren und zu vermitteln, sondern intensiv die Daten protokollieren, analysieren und für eigene Zwecke mittracken.

Das Problem all dieser Systeme ist, dass sie die Serversoftware nicht aus der Hand geben, also jene Komponente, die zwingend notwendig ist, um die Teilnehmer einer Konferenz zusammenzuführen, alles über die jeweilige Konferenz erfährt.

Was mit diesen Mitschnitten und -protokollen passiert, weiß so genau niemand. Deshalb sollte man – besonders, wenn persönliche, vertrauliche oder unternehmensinterne Dinge besprochen werden – auf diese Anbieter verzichtet werden; also eigentlich immer!

Was sind die Alternativen? Ja, es gibt Alternativen, und keine schlechten. Die eine ist BigBlueButton (BBB) die ich bereits unter BigBlueButton – Online-Konferenzen ohne unsichtbare Dritte vorgestellt habe, und natürlich Jitsi Meet.

Jitsi Meet

Jitsi Meet entwickelt nicht nur die gleichnamige Software für Videokonferenzen, sondern stellt sie auch als Dienst zur Verfügung. Benutzen läßt sie sich über einen Browser oder die dazugehörige App für mobile Geräte. Ein Teilnehmer initiiert eine Videokonferenz und lädt weitere Teilnehmer über einen Link ein. Bei Bedarf vergibt er ein Zugangskennwort und ein Kennwort für die Verschlüsselung sämtlicher Inhalte. Das wars!

In der Konferenz können die Teilnehmer den eigenen Desktop zeigen, Präsentationen einblenden, gemeinsam Dokumente (vor allem Texte) in einem Etherpad bearbeiten oder nebenbei in einem Chat Nachrichten und Dateien austauschen. Damit sollten die meisten Bedürfnisse befriedigt sein.

Jitsi Meet – Videokonferenzen gerne auch über den eigenen Server

Jitsi hat ursprünglich einen IM-Messenger und SIP-Client entwickelt, alles auf der Technologie WebRTC, die auch in den gängigen Webbrowsern integriert ist. Von daher war der Schritt zu einem Videokonferenzsystem nicht mehr so weit. Jitsi Meet, also das Videokonferenzsystem, basiert auf diesen Techniken und läuft deshalb auf dem meisten Rechnern sehr geschmeidig.

Aber Jitsi bietet nicht nur den Client – im Browser oder als Clients für Android und iOS, sondern auch die Serverkomponente, und diese obendrein als Open Source-Software. Damit gibt es versierten Anwendern die Möglichkeit, einen eigenen Server zu installieren, was die Sicherheit der Datenübertragung wesentlich erhöht. Der gesamte Datenstrom läßt sich damit über eigene Systeme lenken.

Zusätzlich werden die Daten seit diesem April Ende-zu-Ende-Verschlüsselt (E2EE) übertragen. Ein Mitprotokollieren der Inhalte ist also nicht mehr möglich – auch nicht bei fremden Kommunikations-Servern. Die Entwickler betonen jedoch, dass diese Technik noch in der Entwicklung sei und sie noch keine Fehlerfreiheit garantieren könnten.

Fazit

Wenn man diese Software einmal bedient hat, fragt man sich, warum man das nicht schon immer gemacht hat. Videokonferenzen können so einfach sein, wenn die richtige Software zur Verfügung steht (und ordentlich Bandbreite für die Datenströme). Leider mangelt es zuweilen an der Bild- und Sprachqualität, wenn die Bandbreite es nicht hergibt. Aber das ist kein Problem von Jitsi Meet.

 

  • Pro: Einfache Bedienung, Präsentationsmodus, Gemeinsam Texte bearbeiten mit Etherpad, Desktop teilen
  • Contra: Übertragungsqualität abhängig von der Bandbreite nicht immer gut

 

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