Element.io heißt seit gestern der Client Riot.im, vormals Vector.im. Er hat schon viele Namen gehabt, bleibt aber immernoch der Instant Messenger, der auf das Protokoll “Matrix” aufsetzt. Man kann mit ihm verschlüsselt chatten, Nachrichten und Dateien austauschen, telefonieren (auch Videotelefonie) und an Diskussionsforen teilnehmen.

Riot hat in den Vergangenheit eine steile Karriere hingelegt. Im Kielwasser der dezentralen, föderalen Messenging-Software Matrix, die ich im entsprechenden Matrix-Artikel beschrieben hatte, konnte sich ein Client entwickeln, der alle Eigenschaften des Netzwerks auf allen Plattformen nutzbar macht. Es gibt ihn als Webclient (https://riot.im/app/, bald https://element.io/app/) und als Stand-alone-Client für MacOS, Windows, Debian, Android und iOS.

Der erste Android-Client hatte vor Monaten einen Nachfolger bekommen (RiotX). Dieser Client wird widerum bald von Element abgelöst. Er ist aber noch nicht auf F-Droid (nur in Google Play) zu finden. Beide ehemaligen Clients sind mit Versionen aus dem Juni 2020 auf F-Droid noch auf einem recht aktuellen Stand. Dort bekommt man derzeit noch das letzte Release von Riot – was ja auch nicht schlecht ist.

Eine Anmeldung zum Matrix-Netzwerk erfolg an einem ausgewählten Server, wobei matrix.org voreingestellt ist. Natürlich kann jeder andere Server eingegeben werden. Besteht kein Account, kann man auch mal eben einen neuen erstellen.

Die Server können, wenn es denn im Server so eingestellt ist, untereinander eine Verbindung herstellen und die Chats austauschen. Damit reicht theoretisch ein Account bei einem Server, mit dem man dann mit allen Chatpartnern in Kontakt treten kann.

Chat in Räumen

Die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil der Messenger nicht nach Personen ausgerichtet ist, sondern nach Räumen. Das heißt, man betritt primär einen Raum, in dem mit beliebig vielen Personen gechattet werden kann. Persönliche Chats mit einem Partner laufen dementsprechend in einem “persönlichen” Raum ab, in den jederzeit weitere Personen eingeladen werden können. Auch kann man entscheiden, ob die Räume öffentlich sichtbar sind oder nicht.

Es gibt eine ganze Reihe öffentlicher Räume (auf Matrix.org sind es mehrere Hundert), die man durchstöbern und denen man beitreten kann. Der Großteil hat sich freie Software zum Thema gemacht, aber auch gesellschaftspolitische Themen werden dort diskutiert.

Automatisch Ende-zu-Ende-Verschlüsselt

Da die Kommunikation mittlerweile automatisch Ende-zu-Ende-Verschlüsselt ist (zumindest bei eins-zu-eins-Kommunikaion), muss man sich über die Datensicherheit keine Gedanken mehr machen.

Das war lange Zeit anders. Da musste man irgendwo in den Tiefen der Einstellungen die Verschlüsselung für jeden einzelnen Chat auslösen. Das war mühsam und wurde, vor allem bei unerfahrenen Benutzern, gerne mal vergessen.

Audio-Telefonie und Video-Chat inbegriffen

Element / Riot kann auch Audio- und Videotelefonie. Das gestaltet sich ausgesprochen einfach und zuverlässig, sowohl im Client als auch in der Browser-App. Und für Web-Konferenzen und -Seminare ist die Einbindung von Jitsi geplant. Zusätzlich können Dateien übertragen bzw. verbreitet werden – alles natürlich gut verschlüsselt.

Bleibt zuletzt noch die “Community” zu erwähnen. Mit Ihr lassen sich Benutzer und Räume verbinden und sogar eine Web-Page einbinden. Am Ende ist das dann wohl so eine Art “Web im Web”.

Fazit

Man sieht schon, dass die Bedienung von Element (und von Matrix) nicht immer selbsterklärend ist. Viele mögliche Einsatzbereiche lassen sich mit diesem Werkzeug abdecken. Das Chatten mit Matrix und Element will also geübt werden. Dann aber bleiben keine Wünsche unerfüllt (Naja, Kaffee kocht auch diese Software nicht…)

Dataport setzt zukünftig Element.io ein

Element.io hat einen Riesenerfolg zu vermelden. Die Firma (der Quellcode bleibt Open-Source, aber die Vermarktung und Zusatz-Features werden zukünftig kommerziel vermarktet) hat eine Vereinbarung mit Dataport abgeschlossen. Wer Dataport nicht kennt (und das werden die Meisten sein). Dataport bezeichnet sich selber als “größtes staatliches IT-Unternehmen” und ist der IT-Ausrüster der öffentliche Verwaltung der norddeutschen Bundesländer.
Dataport kauft bei Element.io 500.000 Clients und wird diese in öffentlichen Ämtern und Bildungseinrichtungen in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Hamburg installieren. Das ist der dritte große Einsatzbereich der Software nach der französischen Regierung und der Budneswehr mit dem BwMessenger.

 

  • Pro: Umfassender Messenger für Einzel- und Gruppenchats bis hin zu Telefonie und Videochat
  • Contra: Bedienung erfordert Einarbeitungszeit und die Einstellungen sind an verschiedene Stellen verteilt

 

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