Conversations gilt unter Fachleuten als die ausgereifteste und bedienungsfreundlichste Lösung für Chatclients unter XMPP / Jabber. Dank der Verschlüsselungstechnik OMEMO und der dezentral organisierten Serverstruktur gilt es als sehr sicher.

Bekanntlich setzen ein großer Teil der Weltbevölkerung das Wort Chatten gleich mit WhatsApp oder Facebook Messenger. Das zu ändern hat sich der Entwickler des XMPP-Clients Conversations vorgenommen. Es gelingt ihm ausgesprochen gut, bestätigen mir sogar Neunutzer, die sich bisher nur mit oben genannten Chat-Angeboten beschäftigt haben.

Chatten kann so einfach sein

Conversations sieht schlicht und elegant aus – hat aber unter der Haube nur die beste Technik zu bieten. Gleichzeitig steht es im Funktionsumfang der Konkurrenz in nichts nach: Verschlüsselung, Datenübertragung von Bild, Ton, Video und anderen (natürlich auch verschlüsselt), Standortübertragung und – so ist es zumindest angekündigt – bald sogar Echtzeittelefonie. Nur Kaffee kochen kann es noch nicht.

Bewusst an die Marktführer angelehnt

Conversations sieht den beiden Marktführern – wohl nicht ganz ohne Grund – ziemlich ähnlich. Gleichzeitig verfügt es über Eigenschaften, die man dort schmerzlich vermisst (wenn man sich mit der Materie etwas beschäftigt). Allem voran ist natürlich die dezentrale Struktur des Dienstes zu nennen und eine weitgehende Anonymität.

Das verdankt man natürlich nicht dem Client Conversations, sondern dem XMPP-Konzept. Aber Conversations setzt es am konsequentesten und elegantesten um – und obendrein auch noch als Open Source.

Stichwort Anonymität: Nicht nur die Accounts lassen sich anonym anlegen und der gesammte Kommunikationsstrom via OMEMO sicher verschlüsseln. Wer will, kann mit einer kleinen Einstellung auch noch die Kommunikation vollständig über das TOR-Netzwerk abwickeln.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich!

Anmeldung mit kleinen Geheimnissen

Die Anmeldung im XMPP-Netzwerk stellt unbedarfte Neulinge meist vor schier unlösbare Probleme. Man muss sich – manchmal via Webseite, oft auch einfach, indem man die Anmeldedaten im “Neue Konten”-Fenster eingibt – einen Account auf einem XMPP-Server besorgen.

Davon gibt es zahlreiche in Internet (Einen Link zu einer aktuellen Liste vertrauensvoller Server habe ich im Artikel ZOM hinterlegt). Diese Daten gibt man im “Neue Konten”-Fenster ein, fertig. Dann kann es losgehen.

Wer nicht mal das zustande bringt, läßt sich einfach einen Acount unter “Conversations.im” verpassen oder kann auch auf so Hybridversionen wie Quicksy zurückgreifen – wobei beides etwas kostet (wenn auch nur “Peanuts”). Nötig ist das aber nicht.

Verschiedene Versionen

Conversations gibt es – leider – in zahlreichen Versionszweigen, “forks” genannt. Leider, weil diese Aufspaltungen bei Neulingen bekanntermaßen für Verwirrung sorgt und sie davon abhält, sich beherzt einer App zuzuwenden. Diese Erfahrung hat man ja schon mit Linux gemacht, aber bisher nicht daraus gelernt (auch oder weil diese “forks” mit zum Open Source-Prinzips gehören).

Diese Versionszweige unterscheiden sich meist nur in Kleinigkeiten, die sich aber stark auswirken können. Mir sind derzeit folgende Versionen bekannt:

  • Conversations: Das “Original”, in das alle Neuerungen einfließen.
  • Conversations legacy: Eine Abspaltung, die den ersten Entwicklungszweig weiterführt, weil dort die (veraltete) Verschlüsselungsmethode OTR enthalten war.
  • Conversations with IPv6: Eine Version, die, wie der Name schon sagt, das IP-Protokoll IPv4 gegen Ipv6 ausgetauscht hat.
  • Pix-Art Messenger: Eine Abspaltung, die den Standort an den Chatpartner übermitteln kann. Basiert auf Conversations legacy. Nicht von mir getestet!
  • Quicksy: Eine Abspaltung vom Entwickler von Conversations, die versucht, in der Funktionalität möglichst nah an WhatsApp heranzukommen (mit allen Nachteilen). Quicksy nimmt die Handynummer als Adresse und lagert diese zwingend auf dem Server des Anbieters. Zur Verifizierung wird eine SMS an das Handy versandt. So können Chatpartner über den Datenbestand abgeglichen werden (aber auch Bekanntschaftsprofile erstellt werden – das widerspricht dem Gedanken der Anonymität und der verteilten Netze). Die Benutzung ist einmalig kostenpflichtig. Nicht von mir getestet!

Jede dieser Versionen hat sicher ihre Vorteile. Nach der reinen Lehre lohnt es sich aber gewiss, das Original zu verwenden.

Conversations kann helfen, XMPP in Zeiten von Datenskandalen und Lauschangriffen als die bessere Lösung zur elektronischen Kommunikation zu etablieren. Jetzt braucht es nur noch fleißige Helfer, die das auch herum erzählen.

 

  • Pro: ausgereifteste und bedienungsfreundlichste Lösung für Chatclients unter XMPP
  • Contra: Versucht, einen Account auf “Conversations.im” aufzudrängen

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