Der Bitkom hat mal nachgefragt, wieviele Nutzer eigentlich Messagingdienste nutzen und worauf sie dabei Wert legen. Das Ergebnis könnte einen eigentlich zufrieden stimmen, wenn Befragung und Ergebnisse nicht mehr als rätselhaft wären.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., kurz Bitkom, teilte gestern mit, er habe in einer Befragung festgestellt:

  • “Neun von zehn Internetnutzern verwenden Messenger.
  • Bei den Jüngeren zwischen 14 und 29 Jahren nutzen nahezu alle Kurznachrichtendienste.
  • Bei der Generation 65 Plus sind es bereits mehr als zwei Drittel.
    9 von 10 Messenger-Nutzern achten auf Datenschutz und Datensicherheit.”

Sichere Messenger weit abgeschlagen

Besonders der letzte Wert klingt sehr vielversprechend. Aber kann das stimmen? Schauen wir uns den Pressetext einmal genauer an.

“Der beliebteste Messenger in Deutschland bleibt WhatsApp, den vier von fünf (81 Prozent) Internetnutzern verwenden. Fast jeder Zweite (46 Prozent) nutzt Facebook Messenger, knapp jeder Vierte (24 Prozent) Skype und jeder Siebte (15 Prozent) Snapchat. 10 Prozent verwenden iMessage von Apple und 7 Prozent Telegram zur Kommunikation mit anderen. Jeweils 4 Prozent nutzen Threema und Google Hangouts.”

Aha! WhatsApp, Facebook Messenger, Skype, Snapchat, Google Hangouts – da kann es mit dem Wunsch nach Datenschutz und Datensicherheit also nicht weit her sein.

Immerhin tauchen in der Liste auch Telegram und Threema auf – die sich Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf die Fahne geschrieben haben. Faktisch sind sie aber weit abgeschlagen.

Datenschutz – immer gerne, aber nicht gerade jetzt

“Auch die Datenschutz-Richtlinien des Anbieters stufen die Messenger-Nutzer bei ihrer Entscheidung für einen Kurznachrichtendienst als sehr wichtig oder eher wichtig ein. 90 Prozent ist der datenschutzrechtliche Umgang des Anbieters mit ihren persönlichen Daten wichtig und 87 Prozent die Datensicherheit der Kommunikation, etwa durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Jeder Zweite (50 Prozent) legt Wert auf die automatische Löschung der Chats nach einem gewissen Zeitraum.”

Na, das klingt ja wie die Sonntagspredigt, verglichen mit den gelisteten Messenger-Apps. Die Tatsachen sprechen leider eine andere Sprache.

Machen, was alle machen

Der wahre Grund, einen Messenger zu wählen, liegt sicher nicht in der Höhe der Sicherheitsfunktionen. Letzlich entscheidet immernoch die Marktdurchdringung, wie es so schön im Fachchinesisch heißt, und die einfache Bedienung.

“Bei der Wahl eines Kurznachrichtendienstes ist es vier von fünf Messenger-Nutzern (86 Prozent) sehr oder eher wichtig, dass Freunde und Familie den Messenger ebenfalls verwenden. Auch, ob die Kollegen die Anwendung installiert haben, spielt für die Befragten eine Rolle (61 Prozent).

Neun von zehn Messenger-Nutzern (92 Prozent) legen außerdem Wert auf eine einfache Bedienbarkeit.”

Der Irrtum hat Methode

Deshalb ist es immer gut, sich den “Hinweis zur Methodik” anzusehen. “Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Online-Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.212 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt, darunter 1.074 Nutzer von Kurznachrichten-Diensten bzw. Messenger-Apps. Die Fragestellungen lauteten: „Welche der folgenden Kurznachrichten-Dienste bzw. Messenger-Apps haben Sie in den vergangenen 3 Monaten genutzt?“ und „Wie wichtig sind Ihnen die folgenden Aspekte bei der Auswahl eines Kurznachrichten-Dienstes bzw. von Messenger-Apps?“

Damit wird auch klar, wie der Bitkom auf diese eher phantasievollen Zahlen kommt. Sehr erhellend sind die Worte “Online-Umfrage” und “1.212 Internetnutzer ab 14 Jahren, darunter 1.074 Nutzer von Kurznachrichten-Diensten bzw. Messenger-Apps.” Alles klar. Ich frage Nutzer von Messenger-Apps nach ihrem Nutzungsverhalten von Messenger-Apps. Da wundert eher, dass das Ergebnis nicht auf 100 Prozent Messenger-Nutzer kommt. Aber dann hätte sich die Parallele zu alten DDR-Wahlergebnissen zu sehr aufgedrängt.

Fazit

Wieder eine Umfrage, die nur beweist, dass sie eine Umfrage ist.

 

  • Pro: Einblick in die Verteilung der Nutzung von Messenger-Apps
  • Contra: Keine Aussagekraft bezüglich der realen Zahlen

 

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