Die Freedombox ist eine benutzerfreundliche Zusammenstellung zahlreicher Serverdienste, die man meistens bei Cloud-Anbietern vorfindet – jedoch konzentriert auf einen lokalen Server, gerne auch einem Raspberry Pi.


Freedombox bietet eine umfassende Sammlung an Serverdiensten für den Heimserver, die mit wenigen Mausklicks installiert und eingerichtet werden können. Sie läuft auf verschiedenen Hardwareplattformen, etwa dem Raspberry Pi.

Die meisten von uns benutzen irgendwelche Serverdienste in der Cloud, bei denen kein Aussenstehender sicher weiß, wie die dort verarbeiteten Daten von den Anbietern weiter verwendet werden.

Das geht los mit grundlegenden Diensten wie DNS-Abfragen bis hin zu umfangreichen Datenverarbeitungen wie eMail, Instant Messaging wie WhatsApp oder Cloud-Speichern wie Dopbox oder Google-Cloud. Nur die wenigsten machen sich darüber ernste Gedanken und suchen nach datenschutzgerechten Alternativen.

Freiheit, die ich meine

Dabei ist es gar nicht so schwierig, sich von den großen Datenkraken loszusagen. Zumindest im Betriebs- und Haushaltsumfeld ist schnell ein Server aufgesetzt, mit dem sich die Standarddienste wie Dateiverwaltung, Adress- und Terminsynchronisation, Messaging und Media- und Videostreaming abwickeln lassen. Meist reicht dafür ein Nextcloud- oder Owncloud-Server.

Freedombox bietet mehr

Wer mehr möchte und eine breite Auswahl an Diensten zur Verfügung haben möchte, sollte sich einmal die Freedombox anschauen. Sie versammelt einige Serverapplikationen, zumeist für den Bereich Kommunikation und Datenaustausch, unter einer gemeinsamen Oberfläche. Über diese kann man die Dienste installieren und konfigurieren.

Der Name Freedombox täuscht etwas, denn er suggeriert, dass hier eine geschlossene Box arbeitet. Feedombox ist jedoch vielmehr eine große Sammlung an Apps und Diensten für zahlreiche Zwecke. Dabei werden für manche Dienste mehrere Apps nebeneinander angeboten, sodass man sich die App seiner Wahl aussuchen kann.

Verschiedene Hardware-Plattformen

Freedombox basiert auf einem Debian-Linux. Dieses läuft auf allen bekannten Hardwareplattformen. Freedombox bietet selber eine Box an auf der Basis eines Olimex A20-OLinuXino-LIME2 Board. Es läuft aber auch auf vielen anderen Single-board-Computern. ich habe es auf einen Raspberry Pi gespielt. Außerdem kann man es natürlich auf einem – auch gerne etwas älteren – PC ausprobieren oder in einer virtuellen Maschine, um sich damit vertraut zu machen.

Die Installation ist denkbar einfach. Von der Webseite wird das zur Hardwareplattform passende Betriebssystem-Image heruntergeladen und auf eine SD-Karte (oder eben in eine virtuelle Maschine) geschrieben. Wie das genau geht, muss man sich an anderer Stelle heraussuchen. Es ist auf jeden Fall nicht schwierig.

Ist der Rechner gestartet und mit dem Netzwerk verbunden, führt er beim ersten Start ein initiales Setup durch. Das kann schon ein paar Minuten dauern – man sollte also etwas Geduld mitbringen. Möglicherweise führt der Rechner zuletzt einen Neustart durch.

Ob die Freedombox einsatzbereit ist, läßt sich feststellen, indem man auf einem anderen Rechner entweder “Freedombox.local” oder die IP-Adresse der Box eingibt. Diese läßt sich im Router herausfinden. Bei mir hatte Ersteres wunderbar geklappt.

Ist alles gut gegangen, empfängt einen im Browser erst einmal eine Warmeldung. Dies liegt daran, dass die Box ein eigenständiges Zertifikat erstellt hat, um eine verschlüsselte Verbindung zum Browser aufzubauen. Das dieses Zertifikat dem Browser nicht bekannt ist, zweifelt er es zu Recht an.

Das Zertifikat muss also erst einmal, praktischerweise dauerhaft, akzeptiert werden. Im folgenden Schritt legt man Namen und Kennwort für den Administrator fest. Anschließend öffnet sich die Empfangsseite der Box mit dem Namen “Plinth”.

Die Empfangsseite gliedert sich in drei Bereiche: jenen der installierten Anwendungen, einen Bereich mit installierbaren Apps und einen Bereich “System” mit Einstellungen. Ein erster Überblick läßt einen erschrecken angesichts der Fülle an Diensten und Anwendungen.

Alle Dienste mit einem Mausklick installiert

Alle Basisdienste und Apps sind unter einer gemeinsamen Weboberfläche zusammengefaßt, unter der sie installiert und eingerichtet werden können. Ebenso sind verschiedene Verwaltungseinstellungen von hier aus zu tätigen. Das macht den Einstieg und die Bedienung einfach, vor alle, wenn man noch nicht damit vertraut ist.

Mehrere Apps für verschiedene Zwecke

Der Bereich der angebotenen Apps wächst von Version zu Version. Es werden so gut wie alle Cloud-Anwendungen angeboten, die man aus dem Internet kennt. Natürlich sind für den Heimserverbereich Grenzen gesetzt, sei es, was die Serverleistung angeht oder den möglichen Speicherplatz. Ein Youtube wird man nicht nachbauen können, aber viele andere Dienste, die von den großen Cloudhostern beworben werden, sind hier nur einen Klick entfernt.

Es lohnt sich also, kurz zu überlegen, welche Dienste man denn gerne in eigene Hände überführen will. Die Apps teilen sich in verschiedene Bereiche ein:

  • Datenaustausch (Deluge, Transmission, I2P, Coquelicot) und Datensynchronisation (Syncthing),
  • Chat und Messaging: JSXC, Ejabberd, Quassel, Matrix, I2P, Mumble
  • Informationssammlungen: Ikiwiki, MediaWiki
  • eMail (Roundcube), News (Tiny Tiny RSS), Kalender und Kontakte (Radicale) verwalten
  • Gemeinsam Dokumente bearbeiten (infinoted)
  • Spielen (Minetest)
  • Zugriff von außerhalb regeln (Pagekite, Dynamic DNS, OpenVPN)
  • Werbe- und Trackingschutz (Privoxy)
  • Überwachung vermeiden: socks5 proxy (Shadowsocks), Tor Onion Service
  • Metasuchmaschine (Searx)

Am Anfang ist man sicherlich von der Vielzahl an möglichen Anwendungen überfahren. Aber mit ein bißchen Muße stellt man fest, dass ja nicht jede der angebotenen Anwendungen auch eingesetzt werden muss.

An dieser Stelle sei auf die online-Hilfe verwiesen. In ihr sind – auch in der deutsch Sprachversion – alle Anwendungen und ihre Einstellungen ausgesprochen umfangreich und gründlich beschrieben. Die ersten Schritte zu einer funktionstüchtigen Freedombox sind damit leicht gemacht.

Trotzdem sollte man natürlich immer im Hinterkopf haben, dass die meisten Dienste zum Internet hin offen sind und damit für Hacker und Überwacher eine Angriffsfläche bieten. Es ist Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit bei den Einstellungen geboten. Im Zweifel und bei Unsicherheit läßt man es lieber erst einmal und arbeitet sich weiter ein.

Systemdienste

Das gilt natürlich auch für die Systemdienste. Im Bereich der Systemdienste finden sich übersichtlich aufgereiht alle Netzwerk-Dienste. Das sind jene für die Administration der Freedombox, aber auch jene, die die Box im Netzwerk zur Verfügung stellt.

Sei es die Kontrolle des internen DNS-Namensservers, die Zertifikatsverwaltung, eine Firewall und des SSH-Servers – alle Dienst sind übersichtlich aufgereiht und leicht erreichbar zu konfigurieren. Natürlich kann ich auch dazu an dieser Stelle keine Erläuterungen bringen. Das würde den Rahmen sprengen.

Fazit

Die Freedombox stellt so viele Cloud-Dienste zur Verfügung, dass man sie am liebsten vollständig einsetzen möchte. Besser ist jedoch, sich genau zu überlegen, welche Dienste man eigentlich verwenden möchte und sich in diese auch gründlich einzuarbeiten.

Dann steht der Installation der aus dem Internet gewohnten Dienste nichts mehr im Weg. Ist diese Vorarbeit erst geschehen, erfreut man sich an einer stabilen und sehr gut gepflegten Plattform für viele Cloud-Dienste. Und schon bald stellt sich das wohlige Gefühl ein, seinen Daten in eigenen und sicheren Händen zu wissen.

 

  • Pro: Große Auswahl an Cloud-Diensten zum Selberhosten
  • Contra: Erst einmal verwirrend, mehrere Apps für einen Zweck

 

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