Wissenschaftler des Fraunhofer SIT haben mehr als 1600 von Deutschlands beliebtesten Internet-Auftritten analysiert und geprüft, in welchem Umfang dort das Nutzerverhalten durch Web-Tracking erfasst wird. Die Ergebnisse sind im Web-Tracking-Report 2014 zusammengefasst.

Zahllose Unternehmen sind damit schwer reich geworden, möglichst viele Daten über Verbraucher zu sammeln. Personenbezogene Daten und Verhaltensinformationen sind für sie ein Rohstoff für viele neue Geschäftsmodelle, mit denen sich milliardenschwere Umsätze erzielen lassen. Das Fraunhofer Forschungsinstitut SIT Darmstatt hatte bereits 2014 einen interessanten Report dazu erstellt.

Unternehmen sammeln mittels Web-Tracking Daten von Internetnutzern in großem Stil, ohne dass diese davon etwas mitbekommen und ohne dass sie als Vebraucher mit den Unternehmen bewusst in Kontakt treten. Web-Tracking betrifft heute die ganze Gesellschaft: Zunächst natürlich diejenigen Personen, die häufig im Word Wide Web unterwegs sind, und in seinen Auswirkungen sogar auch solche Personen, die das Internet gar nicht nutzen.

Unternehmen fördern den Rohstoff Daten heute in großem Stil durch Web-Tracking. Mit verschiedensten Methoden können dritte Parteien nichtsahnende Verbraucher im Hintergrund bei deren Internetnutzung verfolgen und somit umfangreiche Einblicke in die Interessen, Wünsche, Probleme oder den Konsum von Verbrauchern gewinnen und aussagekräftige Profile erstellen. Dabei können Tracker die Nutzer über viele Internetseiten verschiedenster Anbieter hinweg verfolgen. Das so gewonnene Wissen über die Nutzer wird von Trackern gewinnbringend weiter verkauft. Es sind jedoch auch andere Verwertungsarten der durch Web-Tracking gewonnenen Daten möglich, die für einzelne Verbraucher oder auch die ganze Gesellschaft eine Reihe von Bedrohungen und Risiken mit sich bringen.

Analyse gängigen Web-Tracking-Methoden

SIT Webtrackingreport 2014

Die Autoren Markus Schneider, Matthias Enzmann und Martin Stopczynski vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT, Darmstadt, hatten 2014 eine Report erstellt, der sich eingehend mit den (damals zu findenden) Web-Tracking-Methoden auseinander gesetzt haben. Sie betrachten und untersuchen in den Report zuerst den Markt für Web-Tracking und deren sichtbare und vor allem seine unsichtbaren Akteure. In den technischen Betrachtungen gehen sie dann auf die verschiedenen Methoden und Verfahren ein, wie Tracking Informationen von Nutzern zusammenträgt und vor allem über möglichst viele Kontaktpunkte hinweg verknüpft udn lesbar macht. Diese Verfahren werden heute wohltönend udn marketingträchtig als “Big Data” behandelt.

“Dieser Report stellt verschiedene Aspekte des Themas Web-Tracking dar. Der Report erklärt, wie Web-Tracking, insbesondere Cross-Domain-Tracking, grundsätzlich funktioniert. Darüber hinaus werden Markt und Akteure im Zusammenhang mit dem Sammeln von Daten durch Web-Tracking beschrieben. Es werden ebenfalls die verschiedenen technischen Ansätze zur Implementierung von Trackingmethoden dargestellt. Neben Web-Tracking werden noch alternative Formen des Tracking beschrieben, insbesondere App-Tracking und Smart-TV-Tracking,” schreiben die Autoren im Report.

Gesellschaftliche Bedeutung von Web-Tracking

“Das Ziel des Web-Tracking-Reports lag darin, verschiedene inhaltliche Aspekte zu sammeln und zu beschreiben. Der Schwerpunkt des Web-Tracking-Reports liegt in der Beschreibung dessen, was Web-Tracking für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutet und welche Bedrohungen und Risiken sich durch Web-Tracking ergeben. Hierfür wurden bekannt gewordene Fälle aus der ganzen Welt zusammengetragen, die zeigen, was mit den Daten von Verbrauchern geschieht bzw. geschehen kann und zu welchen Konsequenzen das führen kann. Darüber hinaus beschreibt der Web-Tracking-Report das heutige Ausmaß von Web-Tracking für die in Deutschland beliebtesten Webseiten,” schreiben die Autoren weiter.

Gerade dieser gesellschaftspolitische Ansatz macht den Report auch heute noch lesenswert.

Dieser Report hat meiner Ansicht nach vieles von seiner Gültigkeit nicht verloren.

 

  • Pro: Detaillierte Untersuchung gängiger Web-Tracking-Methoden, Handlungsvorschläge um sich dagegen zu schützen, politische Empfehlung
  • Contra: Keine

 

Links:

  • https://www.sit.fraunhofer.de/de/wtr/
  • https://www.sit.fraunhofer.de/de/tpl/