Der “Safer Internet Day” soll daran erinnern, dass sich Sicherheit im Internet lohnt. Er geht auf das 1999 gestartete Safer Internet Programm zurück und findet seit 2008 jährlich am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats statt. Das ist dieses Jahr der 6. Februar 2018. Das diesjährige Motto lautet: «Online “alles unter Kontrolle?!”». Das klingt ein bisschen so, als versuchten ein paar alte Männer besonders gechillt rüber zu kommen.

Die Initiative wird von der Europäischen Union ausgegeben und gefördert. Auf deren Internetseite klingt das so: “Safer Internet Day 2018 – Create, connect and share respect: A better internet starts with you”. Unter diesem Motto ruft die Initiative der Europäischen Kommission weltweit zu Veranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Internetsicherheit auf.

Ins Deutsche übersetzt ließt sich das so: “In mehreren Ländern Europas sollen an diesem Tag Menschen aller Altersgruppen dazu bewegt werden, der Sicherheit von PC, Internet, Smartphone und Co. mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auf Initiative der Europäischen Kommission will das 1999 gestartete Safer Internet Programm die Medienkompetenz bei Kindern, Eltern und Lehrern fördern und sie für Gefahren im Netz sensibilisieren.” OK?

Die Organisatoren

In Deutschland koordiniert klicksafe.de die Aktionen. Das heißt, die Aktionen müssen die Betroffenen schon selber machen. klicksafe (die Webseite kann man – muss man aber nicht – verschlüsselt aufrufen. Geht ja auch nur um Internetsicherheit.) wird gemeinsam von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz (Koordination) und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) umgesetzt.

Man spürt hier förmlich den Ernst der Lage und sieht schon Schreibtische sich unter Stapeln von Aktenmappen biegen. OK, das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber richtig hipp kommt die Aktion nicht rüber.

Die Organisatoren geben sich deshalb auch ziemlich bescheiden: “Auch zum SID 2018 initiiert und koordiniert klicksafe in Deutschland die nationalen Aktivitäten mit dem Ziel, möglichst viele Akteure und Institutionen für den weltweiten Aktionstag zu gewinnen.”

Umso überraschender ist dann, dass zum Zeitpunkt meines Besuchs der Webseite immerhin 270 Angebote bundesweit gelistet werden. Das können nette kleine Dinge sein wie eine gemeinsame Schulaktion gegen Cybermobbing oder so Albernheiten, wie dass ein e-Book für einen begrenzten Zeitraum preislich herab gesetzt wird. Aber im Großen und Ganzen wird der Anlaß von zahlreichen Gruppen und Verbänden, vor allem aber von Schulen dazu genutzt, auf die Fallstricke und Besonderheiten des Internets hinzuweisen. Da kann man natürlich nur hoffen, dass die jeweiligen Veranstalter nicht nur das von ihnen liebevoll gepflegte Schreckensbild an andere weiterreichen.

Die Macher sind also draußen unterwegs. Und klicksafe? Weil man vielleicht schon ahnt, dass die vielen, schönen EU-Fördergelder nicht den irrsinnigen Effekt erzielen werden, wirken die auf der Webseite angebotenen Aktivitäten dann auch eher bescheiden: “klicksafe stellt auch in diesem Jahr zum Safer Internet Day ein umfangreiches Informations- und Serviceangebot für alle Interessierten zur Verfügung. Mit einer Registrierung für unseren elektronischen Informationsservice können Sie ganz sicher sein, alle wichtigen Informationen und Hinweise direkt per E-Mail zu erhalten.” Ach ja, E-Mail, das ist sowas wie WhatsApp, nur mit Spam.

Das ewig Gleiche mal ganz anders

Safer Internet Day, das ist der Versuch, die ewig gleichen Themen in neuer Verpackung unter die Leute zu bringen. Dieses Jahr lautet das Motto «Online „alles unter Kontrolle?!“» – sagte ich das schon? Na, egal.

Auf der Webseite ließt sich das so: “Inhaltlich rückt klicksafe das Thema „Alles unter Kontrolle?!“ in den Fokus. Wie souverän und selbstbestimmt gehen insbesondere Jugendliche mit dem Internet um?” (Kleiner Tipp von mir: Fragt sie mal. Ich schätze mal, ihr werdet lauter ratlosen Gesichtern begegnen “Hä? Internet? Was schwallt’n der Rentner da? Internet hab’ ich schon lange nich’ mehr. Ich hab’ jetzt Händy.”)

Aber ja, das Thema ist natürlich heiß, wenn man es aus der Perspektive betrachtet, dass nicht die Menschen zu doof sind, die Technik zu beherrschen, sondern Institutionen die Technik missbrauchen, um die Menschen zu beherrschen.

Sex sells…

Hier gibt’s auch einen Flyer mit den Aktionen.

Naja, aber das ist natürlich nicht Sache einer Landesmedienanstalt. Die hat ja nun eher die Medien im Blick. Wenn schon die Gesamtaufmachung wie ein Schulbuch aussieht, dann sollen wenigstens die Themen so ein bisschen prickeln. “Doch haben wir online tatsächlich alles unter Kontrolle und den Überblick darüber, wie und wo unsere Daten verwendet werden? Wissen wir, aus welchen Quellen die Informationen stammen, die wir erhalten? Situationen können online schnell aus dem Ruder geraten, wenn persönliche Daten geklaut, peinliche Fotos verschickt oder Falschmeldungen in Umlauf gebracht werden. Diese Informationen verbreiten sich rasant in sozialen Medien und auf einmal ist unser digitales Selbst, oder das, was daraus gemacht wird, für alle Öffentlichkeit sichtbar.” Haben wir noch was vergessen? Nee, gut.

Weiter in der Predigt: “Zum Beispiel geben in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen 91 % an, mit Hass im Netz bereits Erfahrungen gemacht zu haben. Auch das Versenden von Nacktfotos, das sogenannte Sexting, wird immer gewöhnlicher. Ein Drittel aller Jugendlichen gibt an: „Ich habe schon selbst Nacktaufnahmen geschickt bekommen.“ 16 % der Jugendlichen haben schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst erstellt und diese dann meistens auch verschickt.”

Am Ende darf auch die Lebensweisheit fehlen: “Beim Versenden von solchen Fotoaufnahmen riskiert man den Kontrollverlust über persönliche Daten und die Privatsphäre.” Ach, nee, echt – boah ey, krass! Ich weiß ja nicht, an wen sich diese Infos richten, aber Jugendliche finden das wohl doch eher “voll peinlich”.

Da ist es dann doch tröstlich, dass sich die Seite wohl ausschließlich an Erwachsene wendet. “Auch in Deutschland beteiligen sich wieder zahlreiche Institutionen, Schulen, Unternehmen und Organisationen mit eigenen Aktionen und Veranstaltungen am Safer Internet Day.” Deshalb gibt es wenigstens etwas Unterrichtsmaterial zum Download: “Der Schwerpunkt liegt darauf, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, ihr eigenes Verhalten in der „digitalen Welt“ und ihr „digitales Ich“ zu reflektieren.” Unterrichtsmaterial ist immer gut. Die Lehrer kriegen das dann schon irgendwie übersetzt mit dem “reflektieren”.

Zum Schluß will ich aber noch ein kleines Goodie von Klicksafe dalassen. Der Videoclip “Wo ist Klaus?” ist einfach der Hit. Der Clip ist von 2005 – und immernoch aktuell:

 

  • Pro: Versucht, das Internet und seine Regeln für Standardnutzer verständlich zu machen
  • Contra: Dröge

 

Link: