Der Spiegel hat es dann doch geschafft, Edward Snowden in Moskau für ein Interview zu treffen. Kernaussage: Geheimdienste könnten einen guten Job machen, wenn sie sich auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren würden, nämlich “… die wirklich wichtigen Bedrohungen gegen uns bekämpfen und dafür Methoden benutzen, die uns am wenigsten schaden.”

Edward Snowden glaubt also an die Bedeutung von Geheimdiensten – wenn sie nicht so wären, wie sie sind. Naivität kann man Snowden aber eigentlich nicht unterstellen. Das Gespräch war schon in der Ausgabe 37 vom 8. September zu lesen, behält seine Bedeutung aber sicher noch länger.

Edward Snowden lebt nicht ganz freiwillig in Moskau und verdient sein Geld damit, per Videokonferenz Vorträge an US-amerikanischen Universitäten zu halten. So sieht also das Leben eines der berühmtesten Whistleblower aller Zeiten vier Jahre nach seinen Enthüllungen aus. Ist er damit zufrieden?

“Diese Art von Diskriminierung verstößt gegen Grundrechte.”

Er gibt sich in dem Interview nicht verzagt, sondern ist nach wie vor überzeugt, dass seine Enthüllungen der geheimen Praktiken der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste der Welt ein Chance eröffnet haben. “Ich wollte der Öffentlichkeit die Chance geben, selbst zu entscheiden, wo sie ihre Grenzen zieht.”

Edward Snowden ist für viele zu einem Idol geworden. Ihm selbst scheint das ziemlich egal zu sein.

Auf die Frage, was er nach seiner Einschätzung erreicht habe, antwortet er: “Seit Sommer 2013 kennt die Öffentlichkeit das, was bis dahin verbotenes Wissen war. Dass die US-Regierung alles aus Ihrem Gmail-Konto erfahren kann. Dass sie dafür nicht einmal einen Durchsuchungsbeschluss braucht, wenn du kein Amerikaner, sondern zum Beispiel Deutscher bist. Diese Art von Diskriminierung verstößt gegen Grundrechte.”

Politische Einsicht bei Regierenden nicht allzu groß

Tatsächlich erkennt auch Snowden, dass nach den Enthüllungen die politische Einsicht bei Regierenden nicht allzu groß ist. “Statt Strafen, Rücktritten oder Veränderungen der Spähgewohnheiten gab es nur ein neues Gesetz, das sagt: ist in Ordnung so. […] Es ist überall das Gleiche, in Frankreich, in Deutschland, in all den anderen Ländern. Die Regierungen möchten mehr Macht haben, wenn es um Wirtschaftsspionage, diplomatische Manipulationen und politischen Einfluss geht.”

Zwar haben die Dienste und die sie beauftragenden Regierungen (egal, unter welcher parteilichen Führung sie jeweils gerade stehen) ihre Methoden geändert. Ob sich damit die Grundeinstellungen ändern, darf bezweifelt werden.

Netterweise hat der Spiegel auf ein Video auf seiner Webseite verlinkt. Das Video findet sich hinter dem Link: http://video.spiegel.de/flash/85/46/1796458_1024x576_H264_HQ.mp4

 

Link: