IT umgibt uns allerorten, auch und vor allem am Arbeitsplatz. Und sie sammelt ungehemmt Daten. In einem Vortrag zeigt der Arbeitsrechtler Peter Wedde auf, wie umfangreich die Datenüberwachung bereits ist und wie viele Firmen das für sich nutzen.

Technische Überwachungsmaßnahmen sind scheinbar selbstverständlich. Vor allem am Arbeitsplatz setzen viele Firmen diese Möglichkeiten ein, um ihre Angestellten zu messen und zu kontrollieren. Dabei kennen sie – sowohl das Management als auch willfährige Handlanger der eigenen oder fremder Abteilungen – kein Maß und Ziel.

Peter Wedde, tätig als Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences und wissenschaftlicher Leiter der Beratungsgesellschaft d+a consulting GbR, beschreibt in einem unterhaltsamen Vortrag, den er am 9. November 2016 im Rahmen der Vortragsreihe “Forum Mannheim” des dortigen Technoseums gehalten hat, über die vielfältigen Möglichkeiten, wie Unternehmen versuchen, ihre Angestellten zu kontrollieren und zu messen.

Software trackt die Produktivität der Mitarbeiter

Am Arbeitsplatz ist die Kontrolle fast schon perfekt. Fast alle Maschinen, Geräte und PCs laufen heutzutage mit Software, die eine Unmenge an Daten erzeugt, die sich auch gut für die Überwachung von Mitarbeitern einsetzen läßt.

Die Technik macht es aber auch einfach. Wedde beschreibt anschaulich, wie Anwendungssoftware, wie das als Industriestandard gehandelte Microsoft Office365 verdeckte Komponenten enthält, die nicht nur alle Daten auf den Rechnern indexiert, sondern diese und auch die Anwender selbst mit einem Scoring versieht, das eiunfach Rückschlüsse auf die Produktivität bis hin zu dem Gesundheits- und Seelenzustand der (Zwangs-)Nutzer zuläßt. Und diese und ähnliche Anwendungen werden ausgiebig in Firmen eingesetzt.

Bewerbungsgespräche sind eigentlich überholt

Wedde ist überzeugt, dass IT-Anwendungen vielfach schon mehr über uns wissen als wir selbst. Das geht schon bei Bewerbungsgesprächen los. Nach seiner Prognose brauchen Firmen in Zukunft gar keinen Personalchef mehr, der mit Erfahrung, Sachverstand und einer großen Portion Willkür Mitarbeiter aussucht. Das kann die Software im Prinzip jetzt schon besser als ein Mensch. Dabei kann sie sich auf Daten stützen, die sie in Big Data Pools findet und mit KI-Agorithmen aufforstet.

Ein guter Überblick, wohin die Reise gehen wird

Erschreckend ist in diesem Zusammenhang, dass der letzte Versuch, ein zeitgemäßes und schlagkräftiges Arbeitnehmerdatenschutzgesetz zu schaffen, von einer willfährigen Bundesregierung vergeben wurde.

Der Vortrag von Peter Wedde bringt vielleicht nicht alle Fakten auf den Tisch, faßt aber in einer Stunde gut zusammen, wo die Reise in den nächsten Jahren hingehen wird, wenn sich die Betroffenen weiterhin nicht organisieren und gegen die Entwicklung stellen. Unbedingt hörenswert.

 

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