Lightbeam ist ein Add-on für Firefox, das sichtbar macht, welche Erst- und Dritt-Websites von Ihrem Surfverhalten im Internet erfahren. Damit wreden Werbetracking-Netzwerke sichtbar.

Es soll ja Internet-Nutzer geben, die glauben wirklich, dass die Seiten, die sie zu sehen bekommen, von einem Server kommen und nur die sichtbaren Daten enthalten. Welch Irrtum!

Webseiten, vor allem, wenn sie von kommerziellen Seiten kommen, bestehen aus zahllosen Einzelkomponenten. Diese kommen wiederum von einer Vielzahl von Servern, meistens von jenen, mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben wollen: Trackingservern.

Bild dir deine eigene Meinung

Der Eine oder Andere wird sich vielleicht erinnern, dass die Webseite einer bekannten Zeitung (die natürlich keiner von uns jemals liest ;)), plötzlich nicht mehr erreichbar war, wenn man einen Add-Blocker verwendete.

Man sieht bereits in der rechten Seitenleiste, wie viele Scripte von Fremdservern in die blockierte Webseite eingebunden sind.

 

Im Land der Werbetracker

Ich habe mir dann mal die Mühe gemacht und diese Seite unter dem Aspekt Tracking betrachtet. Und siehe da: Es war ein aufregendes Erlebnis, bis zum Hals in die Welt der Werbetracker einzutauchen.

Aus der folgenden Bilderreihe kann man etwas erahnen, warum Tracking eine ganz große Nummer ist.

Bereits ohne aktive Scripten werden 13 Server beim Aufruf der Seite eingebunden.

 

Wenn Scripten zugelassen sind, tritt der eigentliche Content der Webseite geringfügig in den HIntergrund.

 

Dafür werden umso mehr Fremdserver eingebunden.

 

Lightbeam zeigt, dass hier schon 46 Drittserver mit im Boot sind.

 

Soweit ist das zwar lästig, aber vielleicht noch nicht bedrohlich.

In Einklang mit der Konkurrenz

Anders sieht die Sache jedoch aus, wenn man mal eben bei der Konkurrenz vorbei schaut. Im folgenden Bild sieht man, dass bild.de (Springer Verlag) und zeit.de (Holtzbrink-Verlag) über ganze sechs Drittserver verbunden sind. Das heißt im Klartext: Surft man die eine Seite an und anschließend die andere, wissen mindestens sechs weitere Serverbetreiber, dass man gerade den Wechsel vollzogen hat (und sie werden es nicht mehr vergessen!) Insgesamt teilen sich bereits 60 Server diese Information.

Bei dem Besuch zweier großer Webseiten folgen einem schon 60 Server.

Zu guter Letzt habe ich dann noch einen dritten großen Verlag besucht: Spiegel.de (Wohlgemerkt alles nur deutsche Webseiten).

Dieser Verlag, der für seine kritische Haltung zu staatlicher und wirtschaftlicher Einflußnahme bekannt ist, sollte beim Thema Tracking etwas sensibler sein als die bürgerlichen Konkurrenten, dachte ich. Weit gefehlt!

Bei der dritten Webseite reizte mich das Thema besonders. Preisfrage: Wie sieht das Tracking jetzt aus?

Und Boom! Geschlagene 65 Trackingserver tummeln sich jetzt um die drei Webseiten, 11 davon teilen sich zwei oder drei Webseiten.

Drei Seiten, 65 Server! Das ist doch mal sportlich!!

Plötzlich verstand ich, warum es den Verlagen so wichtig ist, dass keine Add-Blocker den Abruf dieser Unmasse an Werbetrackern verhindert.

Kleine Hilfe für große Erkenntnisse – Lightbeam

Behilflich bei dieser kleinen Forschungsreise war mir ein ganz einfaches Werkzeug, dass schon lange zu meiner Standardausstattung gehört: Lightbeam.

Beim Surfen zeigt Lightbeam die gesamte Tiefe des heutigen Internets, einschließlich Bereichen, die für den Durchschnittsnutzer nicht transparent sind.

Wie Lightbeam funktioniert

Lightbeam zeichnet die Ereignisse für jede besuchte Website und jede Dritt-Website auf und speichert das Protokoll lokal im Browser. Ereignisse bedeutet jeden Zugriff auf einen Server, sei es, um Scripten, Bilder oder Informationen abzurufen. Alle aufgerufenen Server werden beim Aufbau der Webseite angerufen – und wissen damit, dass der Besucher auf dieser Webseite war.

Lightbeam stellt Verbindungen dieser Ereignisse dar, um die Interaktionen zwischen Websites, die Sie bewusst besuchen, und Dritt-Websites hervorzuheben. Es ergänzt die Verbindungen laufend während des Surfens.

Das Angenehme: Die Daten, die Lightbeam erfasst, werden lokal gespeichert und nicht auf irgendwelche Server übertragen, die damit wiederum Profile erstellen können.

Als Nutzer kann man Lightbeam jederzeit anhalten, indem man das Add-on deaktiviert. Die Daten, die Lightbeam erfasst, können widerum einfach gespeichert oder gelöscht werden.

Fazit: Lightbeam erlaubt einen detaillierten Einblick, welche Server beim Aufruf einer Webseite beteiligt sind und wie diese Server auch über mehrere Webseiten und längere Zeit hinweg über Surfverhalten informiert werden.

 

  • Pro: Übersicht über beteiligte Server, Tracking
  • Contra: Leider keine Aussagen, welche Aktionen Drittserver vornehmen

 

Links: