Wer KeePass liebt, wird KeeWeb schätzen. KeeWeb ist ein plattformunabhängiger Kennwort-Verwalter für den Browser mit allen Fähigkeiten, die KeePass2 auch bietet.

KeeWeb habe ich ja bereits vor längerem beschrieben. Das Password-Container-Programm ist so praktisch, weil es ein universaler Verwalter der zahllosen Kennwörtern ist, die man sich heute merken soll. Gleichzeitig gibt es das Programm oder Derivate davon für fast alle Betriebssystem-Plattformen, sei es Windows, Linux, Mac OSx, Android oder iPhone iOS (habe ich etwas vergessen?).

KeeWeb bietet Password-Container als Web-App an.

Die Containerdatei kann man wiederum irgendwo im Netz ablegen, da sie mit AES sicher verschlüsselt ist (vorausgesetzt, man verwendet ein ordentlich langes Master-Kennwort. Würde ich aber trotzdem nicht machen – “irgendwo im Netz ablegen” meine ich). Entsprechend lassen sich die Container dann über alle Geräte synchronisieren, zum Beispiel mit einer Nextcloud.

Jetzt bin ich auf eine noch elegantere Variante gestoßen: KeeWeb, eine Web-App für Containerdateien von KeePass2. KeeWeb öffnet und bearbeitet die Password-Container von KeePass2 auf allen Plattformen, entweder als Desktop-App oder als offline-Web-App.

Als Desktop-App macht das Ganze natürlich nur sehr begrenzt Sinn, denn dafür gibt es ja KeePass und seine Derivate. Diese sind in der Regel kompakter, schneller gestartet und für die jeweiligen Betriebssysteme optimiert. WebPass verwendet das Electron-Framework, dass für eine Web-App eine native Laufzeitumgebung für die gängigen Betriebssysteme bereit stellt.

Oder, nicht so gedrexelt gesprochen: Wenn jemand eine Web-Applikation auf der Basis etwa von JavaScript entwickelt hat, kann er sie mit Electron zu einer nativen Anwendung zusammenpacken, die lokal auf jedem Rechner läuft. Das ersetzt einen lokalen Webserver. Der Preis ist eine ziemlich dicke Laufzeitumgebung. Ich finde das eine akzeptable, aber in diesem Fall eher unpraktische Lösung.

Die Einstellungen von KeeWeb sind umfangreich.

Anmerkung: Ich kam aus folgendem Grund dahinter: Ich hatte mir die Anwendung als zip-Datei heruntergeladen und mal durchforstet. Im Verzeichnis \resources\app fand sich eine ziemlich fette Datei mit dem Namen “index.html”. Sie sieht inhaltlich überraschend gleich aus wie die Datei, die sich unter “https://app.keeweb.info/” aufrufen und natürlich auch abspeichern läßt.

Neugierig wie ich nunmal bin, habe ich sie extrahiert (nur diese Datei, keine weitere) und in den Browser geschmissen. Und siehe da: Es bietet sich die gleiche (ob identisch, kann ich bisher nicht beurteilen) Funktionalität an wie das Online-Angebot, aber eben auch die Desktop-Version. (Ich hätte es natürlich auch einfacher haben können. Da die ganze Anwendung Open Source ist, haben die Entwickler auf der Github-Seite im Wiki haarklein erklärt, wie die Sache sich verhält).
Also kurz und knapp: Startet man die Datei Index.html im Browser, geht alles auch ohne electron-Zauber. Ich habe meine Version gleich auf den Home-Server geschmissen und starte die App jetzt bei Bedarf aus dem lokalen Netz. Sie hat sogar eine für Tablets und Handys optimierte Ansicht.

KeeWeb baut auf freie Komponenten auf.

Ein paar Worte noch zur App. Sie bietet allerlei schöne Details. Da sind zum Beispiel die verschiedenen Themes, die die App ein adrettes Design verpassen. Einträge in den verschiedenen Ordnern lassen sich wahlweise als Liste oder als Tabelle ausgeben, was eben gerade übersichtlicher ist, und sie können mit Farben nach Prioritäten markiert werden. Die App arbeitet mit Shortcuts, was die Ein- und Ausgabe von Benutzernamen und Kennwörtern angenehm beschleunigt. Natürlich verfügt WebPass über einen angenehmen Kennwortgenerator, falls einem mal die Phantasie bei der Erfindung sicherer Kennwörter ausgehen sollte.

Man kann mehrere Container parallel öffnen und über alle Container nach Einträgen suchen. Die Container können direkt aus Cloudspeichern heraus geöffnet und wieder in diese gespeichert werden. Sollte die Online-Verbindung unterbrochen werden (was in Deutschland ja immernoch vorkommen soll 😉 ), werden die Container offline sicher zwischengelagert.

Fazit: Mit KeeWeb erübrigt sich eigentlich die Verwendung einer Desktop-App, zumindest solange Zugriff auf einen Webserver besteht. Meistens wird man beides parallel einsetzen, aber ich habe mich überraschend schnell an KeeWeb gewöhnt.

  • Pro: Keine lokale Installation notwendig, erzeugt, öffnet und schreibt .kdbx-Dateien, gefällige Oberfläche, für alle Plattformen, Einbindung von Cloudspeichern (Webdav, Dropbox, GoogleDrive, OneDrive) Import von XML-Dateien, Open Source
  • Contra: Mit 50 MB ziemlich fette Desktop-App (im Vergleich zu KeePass) wegen der Laufzeitumgebung Electron

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