Das Buch “Geheime Botschaften” – Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet” von Simon Singh ist eine unterhaltsame und kurzweilige Einführung in die Kunst der Kryptographie und Kryptologie.

Kryptographie und Kryptologie haben es zwar beide auf die Sicherheit von Informationen abgesehen, arbeiten jedoch mit durchaus unterschiedlichen Methoden. Denn, wie Singh richtig unterscheidet, sind diese beiden Disziplinen zwei verschiedene Seiten einer Medaille.

Das heißt aber nicht, dass sie sich deshalb wohl gesonnen sind. Ganz im Gegenteil haben sich durch die Jahrtausende die Kryptographen und die Kryptologen ein erbittertes Rennen geliefert um den, zumeist zeitlich begrenzten, Sieg.

“Geheime Botschaften” setzt deshalb auch ganz am Anfang der Verschlüsselung an – zu Zeiten der griechischen Antike – und arbeitet sich danach chonologisch durch die Jahrhunderte voran. Er beginnt mit der Skytale, erklärt den Unterschied Steganographie und Kryptographie, zwischen Transposition und Substitution und zeigt an lebhaften Beispielen der Geschichte, wie die verschiedenen Varianten der monoalphabetischen Verschlüsselung schließlich von der polyalphabetischen abgelöst wurde.

Vignerère-Verschlüsselung

Einen breiten Raum nehmen die Vignerère-Verschlüsselung und die Chiffriermaschinen des 19. und 20. Jahrhunderts – vor allem die lange Zeit als unbrechbar gerühmte Enigma – ein.

Simon Singh, Geheime Botschaften

Aber auch die Kryptologie, also die Kunst der Entschlüsselung, bekommt breiten Raum. Diese Disziplin knackte die raffiniertesten Codes und Chiffren meist mit nichts weiter bewaffnet als mit einer guten Portion Logik und einem Sinn für sprachliche Eigenheiten. Die meisten kryptographischen Systeme wurden dann auch mit stochastischer Verteilung von Wörtern oder Buchstaben in Texten enträtselt. Charles Babbage, Cheorges Painvin, Alan Turing und viele andere Namen, die meist nur einem kleinen Kreis bekannt waren, bekommen in dem Buch den ihnen gebührenden Raum.

Nach einer derart gründlichen Einführung in die Geschichte der Kryptographie wird es gegen Ende des Buches noch einmal spannend. Mit dem Aufkommen der informationsverarbeitenden Maschinen, kurz Computer, änderte sich die Methodik der Kryptographie noch einmal grundlegend. Waren bis dahin vor allem Buchstaben und Wörter das Material der beiden Disziplinen, so werde sie jetzt abgelöst durch Zahlen und Werte. Damit verschiebt sich die Kryptographie in Richtung Mathematik, so wie wir sie heute kennen.

Singh erklärt deshalb in den letzten Kapiteln auch noch die Entstehung der asymmetrischen Verschlüsselung durch Whitfield Diffie, Martin Hellman und Ralph Merkle sowie von Ronald Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman (RSA).

Den Schluß und Ausblick bildet ein längeres Kapitel zum Thema Quantenkryptographie. Sollte diese Technik tatsächlich eines Tages in einer praktikablen Form zur Verfügung stehen, kann man jede Art der Verschlüsselung aufgeben. Dann gilt wieder nur noch das gesprochene Wort.

 

  • Pro: Gründliche Einführung in die Kryptographie und Kryptologie
  • Contra: teilweise etwas langatmig

 


 

Simon Singh: “Geheime Botschaften” – Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis indie Zeiten des Internet”; Hanser-Verlag, 2000; ISBN 978-3-446-19873-3